Die Bedeutung des Rechtschreibtests für den Fördererfolg

Online-Rechtschreibtest schreib.on

Die LOS vor Ort setzen zur Ermittlung der Lernausgangslage auf schreib.on, den bewährten Online-Rechtschreibtest bei Problemen im Lesen und Schreiben (LRS, Lese-Rechtschreib-Schwäche und Legasthenie) für die Klassenstufen 1 bis 13 und darüber hinaus. Die Auswertung erfolgt unmittelbar nach Abschluss des Tests. Sie ist in Form eines Gutachtens online abrufbar, beinhaltet neben der Darstellung der Gesamtleistung (Graphemtreffer und richtig geschriebene Wörter) eine differenzierte Analyse der Rechtschreibstrategien und liefert Förderempfehlungen zur erfolgreichen Überwindung der Rechtschreibprobleme. Das Gutachten kann als Orientierungshilfe für eine individuelle Förderung eingesetzt werden.

Was zeigt der Rechtschreibtest schreib.on?

Das Gutachten stellt genau dar, in welchen Strategiebereichen (alphabetisch, orthografisch, morphematisch oder wortübergreifend) Defizite bestehen, und vergleicht auch die Gesamtleistung der Graphemtreffer mit dem Ergebnis der jeweiligen Altersgruppe und Schulart. Das Strategieprofil zeigt auf einen Blick das Verhältnis der Rechtschreibstrategien zueinander. Dabei symbolisieren die einzelnen Balken die unterschiedlichen Strategien.

Diagramm

Der grüne Balken (A) bildet den erreichten Prozentrang (PR) und T-Wert in der alphabetischen Strategie ab.

Der türkisfarbene Balken (O) zeigt die in der orthografischen Strategie erreichten Werte.

Der orangefarbene Balken (M) stellt den in der morphematischen Strategie erreichten Prozentrang und T-Wert dar.

Ab Klassestufe 4 werden in Rosa Prozentrang und T-Wert der wortübergreifenden Strategie (WÜ) abgebildet.

Alphabetische Strategie

Lernende, die die alphabetische Strategie beherrschen, sind in der Lage, gesprochene Wörter in Laute zu zerlegen und diese zu verschriften, das heißt für jeden gehörten Laut den passenden Buchstaben bzw. die passende Buchstabenkombination aufzuschreiben. Lautgetreue Wörter sollten beim Beherrschen der alphabetischen Strategie korrekt geschrieben werden. Beispiel: b-a-n-a-n-e. Bei nicht lautgetreuen Wörtern, die nach der alphabetischen Strategie geschrieben werden, sollte sich die Bedeutung in den meisten Fällen durch lautes Vorlesen erschließen lassen.
Beispiel: f-a-r-a-t (Fahrrad)

Orthografische Strategie

Das Beherrschen der orthographischen Strategie beinhaltet das Wissen um Regel- und Merkelemente. Dazu gehören u. a. die Klein- und Großschreibung bestimmter Wörter, die Konsonantenverdopplung nach einem kurzen, betonten Vokal oder auch die Tatsache, dass bestimmte Laute auf eine bestimmte Weise verschriftet werden.
Beispiel: Sport (nicht etwa Schbort), Biene (nicht Bine)

Morphematische Strategie

Wer die morphematische Strategie beherrscht, kann den Wortstamm und mögliche Ableitungen erkennen sowie Wörter in Wortbausteine zerlegen bzw. richtig zusammensetzen.
Beispiel: Bäck-er-ei, Ver-käuf-er-in

Wortübergreifende Strategie

In der Schriftsprache sind die Wörter meist in einen Satzzusammenhang eingebettet. Viele Wortschreibungen hängen von der Position des Wortes im Satz ab. Somit können wortübergreifende Aspekte die Schreibung beeinflussen. Das betrifft:

  • die Groß-/Kleinschreibung, z. B. abhängig von der Wortart (Die Spinnen spinnen ihr Spinnennetz.) oder abhängig von der Stellung im Satz (Spinnen sie ihr Netz?)
  • die Getrennt- und Zusammenschreibung (Beispiel: „Sie möchte zusehen.“ vs. „Sie war nicht zu sehen.“)
  • die Zeichensetzung (Beispiel: „Er will, sie nicht!“ „Er will sie, nicht?“)

Wie ermittelt schreib.on den Stand der Beherrschung der Rechtschreibstrategien?

schreib.on ist ein umfassendes Testsystem mit insgesamt 27 Testversionen für die Klassenstufen 1 bis 12 und für Erwachsene. Für schreib.on wurden über 700 aktiv zu schreibende Wörter sowie Sätze und (fehlerbehaftete) Texte ausgewählt, die in typischer Weise die Anwendung der grundlegenden Rechtschreibstrategien erfordern und so Aufschluss über ihre Beherrschung geben.
Während des Tests werden vorgegebene Wörter und Sätze geschrieben und ab Klasse 8 fehlerbehaftete Texte korrigiert. Die individuellen Schreibungen und Korrekturen werden danach untersucht, inwiefern sie bereits richtig oder angemessen geschrieben sind. Dazu werden alle Wortstellen analysiert und danach bewertet, welche Rechtschreibstrategien die Schreibenden anwenden.
Die Auswertung des Tests liefert auf der Grundlage der Anzahl richtig geschriebener Wörter und der Graphemtreffer ein Gesamtergebnis, welches das individuell erreichte Niveau der Rechtschreibleistung bezeichnet. Darüber hinaus wird der Stand der Beherrschung der einzelnen Strategien aufgezeigt und ein Strategieprofil beschrieben. Anhand von Normentabellen werden die individuellen Leistungen mit der deutschlandweiten Leistungsverteilung verglichen. Darüber hinaus wird durch schreib.on die schon erreichte Kompetenzstufe ermittelt, die unabhängig vom sozialen Vergleich mit anderen Schülerinnen und Schülern angibt, welchen sachlichen Anforderungen in der Rechtschreibung die individuelle Leistung entspricht. 

Ist der Test standardisiert?

Die Leistungen der einzelnen Schüler und Erwachsenen werden bei schreib.on immer mit den Leistungen aller Schüler einer Altersgruppe (Klassenstufen 1 bis 12) und verschiedener Schulformen (entweder alle Schulformen zusammen oder getrennt nach Gymnasium und übrige Schulformen) verglichen.
Die Vergleichsnormen für schreib.on werden auf der Grundlage der online erfassten Testergebnisse regelmäßig aktualisiert. Die letzte Normierung wurde im Jahr 2017 durchgeführt. Da die mit schreib.on getesteten Schüler bisher eher dem schwächeren Leistungsspektrum entsprechen, wurden die Testverteilungen mithilfe anderer Erhebungen (z.B. IGLU, KESS, HSP), in denen ein Teil der in schreib.on verwendeten Wörter ebenfalls geschrieben wurden, an die deutschlandweite Verteilung angeglichen. Dadurch sind die Normenverteilungen von schreib.on repräsentativ für alle Schüler der Klassenstufen 1 bis 12 in Deutschland.
Eine im Jahr 2016 durchgeführte Testanalyse mit den Ergebnissen aller ca. 250.000 bis dahin erfasster Tests bescheinigt schreib.on hervorragende Testeigenschaften. Die computergesteuerte Testdurchführung und die online-gestützte Auswertung garantiert eine sehr hohe Objektivität und Zuverlässigkeit von Testdurchführung und –auswertung. Die Werte für Reliabilität (Zuverlässigkeit) und Validität (Gültigkeit) des Tests sind durchweg hervorragend oder mindestens sehr gut. Die Werte für die Testgüte liegen bei schreib.on durchweg noch höher als bei der HSP, die auch schon vergleichsweise sehr gute Testeigenschaften aufweist. 


Vergleich zur HSP

 HSP und schreib.on haben nicht nur eine gemeinsame theoretische Grundkonzeption (strategieorientierte Rechtschreibdiagnose auf der Grundlage der Wortstellenanalyse), sondern beinhalten auch einen Teil gemeinsamer Wörter. Allerdings ist die Anzahl der Testwörter in schreib.on (ca. 2200 verschiedene Wörter) sehr viel größer als in der HSP (ca. 220 Wörter) und es werden in schreib.on alle Wortstellen ausgewertet, während in der HSP lediglich ausgewählte Lupenstellen ausgewertet werden. Zudem umfasst schreib.on für alle Klassenstufen mehrere Parallelformen und die Altersspanne reicht von Klasse 1 – 12 und darüber hinaus, während die Normentabellen der HSP nur bis Klasse 10 reichen.
Der wichtigste Unterschied zwischen schreib.on und HSP besteht in der Durchführung und Auswertung. schreib.on ist ein konsequent digitalisierter Rechtschreibtest, bei dem Durchführung, Auswertung und Ergebnisdarstellung von einem Online-System gesteuert wird. Daher werden die Testergebnisse sofort nach der Testdurchführung ausgewertet und in einem Gutachten objektiv interpretiert. Die Ergebnisse können jederzeit aus dem Internet erneut abgerufen und ggf. mit den Ergebnissen von Folgetests verglichen werden.